Der Verrat am Südharzer Gipskarst

Shownotes

Während Sachsen-Anhalt den Gipsabbau im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz gestoppt hat, treibt Niedersachsen die Vernichtung derselben einzigartigen Landschaft gnadenlos voran. Die Gipskarstlandschaft um Osterode bei Ührde ist weltweit einmalig – und einer der 30 Biodiversität-Hotspots Deutschlands. Unternehmen wie Knauf, Saint-Gobain und Remondis (über Casea) zerstören sie systematisch. Der BUND unter Friedhart Knolle hat den Abbau in Teilen für rund 90 Jahre abgesegnet. Das ist kein pragmatischer Kompromiss. Das ist Kapitulation.

Die Fakten sind brutal eindeutig. Der Südharzer Gipskarst erstreckt sich über etwa 100 Kilometer durch Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Er gilt als bedeutendstes Gipskarstgebiet Europas, mit den einzigen großflächigen, oberflächennahen Sulfat-Ablagerungen (Anhydrit und Gips) dieser Form und Mächtigkeit in Deutschland. Es ist der weltweit einzige reich bewaldete Gipskarst. Nur etwa zwei Prozent der eisfreien Erdoberfläche bestehen aus weichem Karstgestein wie Gips. Die Landschaft ist geprägt von Erdfällen, Dolinen, Karsttälern, Steilhängen, Felsen und unterirdischen Gewässern.

In Niedersachsen ist bereits die Hälfte dieser Landschaft zerstört. Mit rund 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr wird etwa die Hälfte des gesamten deutschen Naturgipsaufkommens im Südharz gewonnen. Allein in Niedersachsen bestehen 25 genehmigte Abbauflächen auf insgesamt 574 Hektar. Zusammen mit Kalkstein- und Dolomitbrüchen sind über 570 Hektar betroffen. Im Altkreis Osterode sind deutlich mehr als die Hälfte des insgesamt 770 Hektar umfassenden Gipskarstgebiets zum Abbau freigegeben

Transkript anzeigen

00:00:00: Schau dich mal kurz im Raum um.

00:00:02: Wenn du gerade in einem modernen Gebäude sitzt, dann starst Du mit ziemlicher Sicherheit auf Gips!

00:00:08: Ja diese ganzen Trockenbauwände oder die weißen Riegibsplatten an der Decke

00:00:13: Genau exakt Es ist halt so.

00:00:15: ein unfassbar billiges alltägliches und ehrlich gesagt auch völlig unspektakuläres Material.

00:00:21: Absolut Wir nehmen das einfach als absolute Selbstverständlichkeit hin.

00:00:26: Aber, und das ist das Spannende – hinter diesem feinen weißen Pulver verbirgt sich ein knallhater oft unsichtbarer Krieg um eine der seltensten geologischen Landschaften der Erde.

00:00:40: Richtig!

00:00:41: Und genau darum geht es in unserer heutigen Tiefenanalyse.

00:00:44: Wir wühlen uns durch ein Thema dass buchstäblich das Fundament unserer Wohnzimmer bildet aber von dem kaum jemand weiß welcher Preis da eigentlich wirklich für gezahlt wird.

00:00:55: Ja und wir stützen uns dabei heute auf einen, ich würde sagen extrem brisanten Grext.

00:01:00: Der kommt vom Portal Pugnia Lom veröffentlicht von Labenews Media LLC Und der Titel lautet haltig fest Niedersachsen zerstört was Sachsen-Anhalt schützt!

00:01:11: Der Verrat am Südharzer Gipscast

00:01:15: Das ist mal eine Ansage.

00:01:16: Ja,

00:01:17: der Text ist im Grunde wirklich wie so ein Wirtschaftskriné, der da mitten im deutschen Wald spielt.

00:01:22: also er zeichnet das Bild von einem völlig rücksichtslosen Rohstoffabbau und erhebt echt schwere Vorwürfe gegen staatliche Institutionen aber eben auch gegen Umweltschützer.

00:01:33: Okay bevor wir da jetzt aber richtig tief in die Materie einsteigen müssen wir hier mal kurz ne ganz klare rote Linie ziehen.

00:01:39: Sehr wichtig ja?

00:01:40: Der

00:01:40: Text den wir heute analysieren der ist hochgradig explosiv.

00:01:45: Also der Autor teilt da wirklich schonungslos aus.

00:01:47: Er greift Großkonzerne an, er attackiert namentlich Politiker wie zum Beispiel den früheren niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies und errichtet seine schärfste Kritik sogar gegen große, eigentlich fest etablierte Naturschutzverbände.

00:02:02: Und da müssen wir ganz klar sagen – wir machen uns diese Vorwürfe hier nicht zu eigen!

00:02:07: Wir ergreifen hier absolut keine Partei.

00:02:09: Weder für die Linke noch für die rechte Seite?

00:02:12: Nicht für die Aktivisten, nicht für die Industrie und auch nicht für Politik.

00:02:17: Unsere Aufgabe ist es einzig und allein dir daraus völlig neutral und objektiv zu spiegeln was in dieser Quelle steht.

00:02:24: Wir wollen einfach die Kernargumente des Autos analysieren und aufschlüsseln, warum diese massiven Anschuldigungen überhaupt im Raum stehen.

00:02:31: Genau wir gucken uns einfach die Struktur seiner Argumentation an – der Ausgangspunkt dieser ganzen Auseinandersetzung ist halt einfach die Landschaft selbst!

00:02:40: Also wenn wir den Konflikt überhaupt verstehen wollen, müssen wir erst mal begreifen was da eigentlich auf dem Spiel steht.

00:02:46: Wir reden hier über den Südharzer Gipscast der zieht sich über etwa hundert Kilometer durch Niedersachsen, Thüringen und Sachsen anhält.

00:02:54: Und das ist nicht einfach irgendein Wald.

00:02:57: Es handelt sich um das bedeutendste Gips-Castgebiet in ganz Europa.

00:03:01: Wahnsinn!

00:03:03: Global so extrem wertvoll macht, das ist der weltweit einzige reichbewaldete Gipscast.

00:03:08: Der Einzige weltweit?

00:03:10: Man muss sich das mal überlegen.

00:03:12: nur etwa zwei Prozent der eisfreien Erdoberfläche unseres Planeten bestehen überhaupt aus solchen weichen gipshaltigen Castgesteinen.

00:03:19: Das ist extrem selten!

00:03:21: Okay

00:03:21: also lass uns das mal kurz aufschlüsseln damit man sich das bildlich auch wirklich vorstellen kann.

00:03:27: Gips ist ja jetzt nicht so etwas wie massiver Granit oder so ein harter Baseit, wenn wir uns diese geologischen Prozesse mal ansehen.

00:03:36: Funktioniert diese Landschaft im Grunde wie ein gigantischer Uralterschwamm aus Stein?

00:03:41: Das sind super Bild!

00:03:42: Genau weil über Jahrtausende regnet es da drauf und Gips is ja extrem wasserlöslich.

00:03:47: Richtig

00:03:48: das Regenwasser wäscht also ganz langsam Hohlräume aus dass frisst quasi förmlich Löcher in den Untergrund Und so entstehen dann diese geheimen unterirdischen Flusssysteme und riesige Höhlen.

00:04:00: Ja.

00:04:00: Und irgendwann bricht dann halt mal so eine Höhlendecke ein, und es bildet sich an der Oberfläche einen tiefer Krater...

00:04:06: Also das was man in der Geologie eine Doline nennt genau!

00:04:09: ...exakt,

00:04:10: eine Doliene.

00:04:11: Und obendrauf auf diesem völlig instabilen durchlöcherten Fundament da wächst dann ein massiver alter Wald

00:04:19: Und diese Schwannanalogie trifft den Kern der Sache eigentlich perfekt.

00:04:22: Also was hier faszinierend ist, dieses ständige Auswaschen und Einbrechen das schafft halt ein extrem dynamisches Relief.

00:04:29: Da gibt es Erdfälle, Steilhänge, diese Karstähler... Und die ständigen Veränderungen der Oberfläche sorgt für etwas dass Biologen den Biodiversitäts Hotspot-Achtzehn nennen!

00:04:42: Ja,

00:04:42: die Geologie zwingt die Natur dort quasi dazu sich hochgradig zu spezialisieren.

00:04:47: Die Böden auf dem Gipf sind extrem nährstoffarm aber dafür sehr mineralreich und das ist zum Beispiel der absolut perfekte Nährboden für seltene Orchideenmargerasen.

00:04:56: Wenn der Boden da normal und fett wäre dann würde ganz gewöhnliches Gras diese seltenen Orchiden einfach verdrängen.

00:05:02: Und in den Höhlen unten drunter, da finden extrem seltene Fledermausarten die perfekten konstanten klimatischen Bedingungen.

00:05:10: Der Text listet auf das dort allein achtundvierzig verschiedene Vogelarten leben von denen dreiunddreißig in genau diesem spezifischen Umfeld auch brüten.

00:05:19: Es ist also ein total isoliertes perfekt ausbalanciertes Ökosystem

00:05:24: Wahnsinn!

00:05:24: Also haben wir es hier wirklich mit einem globalen Unikat zu tun?

00:05:27: Absolut

00:05:28: Ein echtes geologisches Wunderwerk Dass sich da über Millionen von Jahren entwickelt hat.

00:05:33: Wenn man nun so ein Erbe mitten in Deutschland hat, dann sollte man doch eigentlich meinen dass das Land wahnsinnig stolz darauf ist und es hütet wie einen Schatz.

00:05:41: Sollte man meinen ja!

00:05:42: Aber

00:05:43: genau hier deckt der Text ein Widerspruch auf, der fast schon schizofrehen wirkt.

00:05:47: Hier wird es nämlich wirklich interessant.

00:05:48: Wir haben diese Hundert Kilometer lange geologische Ader Und der Geologie sind Landkarten natürlich völlig egal.

00:05:55: Ich würde diese Ada einfach brutal in zwei völlig verschiedene Welten zerschnitten!

00:06:01: Wie kann das sein?

00:06:02: Tja, wir betrachten hier im Grunde zwei Bundesländer mit diametral entgegengesetzten Philosophien.

00:06:07: Auf der einen Seite dieser unsichtbaren Grenze liegt Sachsen-Anhalt und dort hat man die Einmaligkeit der Landschaft rechtlich absolut cementiert.

00:06:15: Der Gipsabbau wurde in den relevanten Gebieten komplett gestoppt.

00:06:17: Okay krass

00:06:19: Man hat da das Biosphärenreservat-Castlandschaft Südharz eingerichtet.

00:06:23: Und laut dem Artikel ist dies, dass weltweit einzige nennenswerte Reservat diese Art in einem Sulfatkast.

00:06:29: Wow!

00:06:29: Probeborungen von der Industrie wurden da politisch und juristisch einfach blockiert.

00:06:34: Die Prämisse in Sachsen-Anhalt lautet ganz klar – Das es potenzielles Welterbe.

00:06:37: die Bagger müssen hier draußen bleiben.

00:06:39: Okay

00:06:40: Also stell dir das jetzt mal vor, du spazierst da durch diesen wunderschönen alten Wald.

00:06:46: Du genießt die Natur tritt's dann über eine völlig unsichtbare Grenze auf der Landkarte rüber nach Niedersachsen.

00:06:53: und plötzlich was passiert denn dort?

00:06:56: In Niedernachsen rollen die Bagger.

00:06:59: Echt

00:06:59: jetzt?!

00:07:00: Ja!

00:07:00: Der Text beschreibt die niedersächsische Seite quasi als das Epizentrum der Zerstörung.

00:07:05: Die Hälfte der dortigen Kastlandschaft ist dem Artikel zur Folge bereits unwiderbringlich verloren.

00:07:10: Die HÄLFTE!

00:07:11: Die Zahlen, die der Autor da anführt sind echt massiv.

00:07:15: Es gibt dort twenty-fünf genehmigte Abbaufflächen, die sich über fünfhundertvierundsebzig Hektar fressen In einem bestimmten Schwerpunkt – das ist der Altkreis Osterode Da ist weit über die Hälfe des siebenhundertsiebzig hektar großen Gebietes einfach zum Abbau freigegeben.

00:07:31: Das ist ja unfassbar!

00:07:33: Und es geht halt noch weiter.

00:07:34: Das Landesraumordnungsprogramm plant weitere vierzig Hektar als sogenannte Vorranggebiete für die Industrie auszuweisen, einen früherer informeller Kompromiss den man mal den Gipsfrieden nannte.

00:07:46: der wurde einfach aufgekündigt.

00:07:48: Aber warte mal kurz Wie lässt sich das denn logisch überhaupt erklären?

00:07:52: Wir reden hier nicht über irgendeine versteckte Insel am anderen Ende der Welt sondern über zwei deutsche Bundesländer direkt nebeneinander.

00:07:59: Ja die unterliegen doch eigentlich denselben übergeordneten Umweltgesetzen des Bundes.

00:08:05: Wie kann das niedersächsische Umweltministerium?

00:08:08: Und der Text nennt hier ja explizit den Politiker Olaf Lies, wie können die da tatenlos zusehen oder das sogar noch fördern während ein paar Kilometer weiter ein strenges Biosphärenreservat beginnt?

00:08:18: Der Vorwurf des Artikels an dieser Stelle lautet ganz klar – Vorfahrt für die Industrie!

00:08:24: Die politische Logik in Niedersachsen ordnet den Naturschutz systematisch den Rohstoffinteressen unter.

00:08:31: Der Autor argumentiert da wirklich scharf, dass Ministerien und die Lokalpolitik im Wesentlichen einfach die Argumentationslinien der abbauenden Konzerne übernommen haben.

00:08:42: Wirtschaftliche Erwägungen – und eben die Sicherung der heimischen Rohstoffversorgung – überwiegen da den Erhalt dieses Biodiversitätshotspots!

00:08:52: Es wird auch geschildert, wie Behörden bei Umweltverstößen angeblich bewusst wegschauen.

00:08:57: Einfach um die industrielle Verwertung nicht irgendwie zu

00:09:00: gefährden.".

00:09:00: Das zwingt uns jetzt natürlich... ...die wirtschaftliche Seite mal genauer zu beleuchten!

00:09:05: Also wer profitiert denn davon?

00:09:07: Wer frisst sich da konkret durch den

00:09:08: Berg?!

00:09:09: Der Text benennt da drei Hauptakteure, die sich den Abbau im Südharz im Gründe teilen.

00:09:14: Dass es einmal der Baustoff-Riese Knauf, der dort über seine Tochtergesellschaft Rump und Salzmann agiert,... und das Unternehmen Rimondis über seine Tochter Kezia.

00:09:25: Okay, große Namen.

00:09:27: Sehr große Namen!

00:09:28: Und zusammenholen diese Konzerne jedes Jahr unglaubliche zwei Komma fünf Millionen Tonnen Gips aus dieser Landschaft.

00:09:35: Zwei Komma Fünf Million Tonnen?

00:09:37: Jedes Jahr – das ist ungefähr die Hälfte des gesamten Natur-Gibbsaufkommens in ganz Deutschland.

00:09:42: Das

00:09:42: ist eine gewaltige Menge.

00:09:44: und hier da muss ich jetzt einfach mal den Teufelsadvocaten spielen stellvertretend für dich da draußen der oder die gerade zuhört.

00:09:53: wir alle wollen moderne Wohnungen Wir brauchen neue Schulen, wir brauchen Krankenhäuser, klimagerechte Sanierungen.

00:09:59: Klar!

00:10:00: All das erfordert Trockenbau.

00:10:02: Die Industrie sagt natürlich wenn wir die Hälfte unserer heimischen Gipsversorgung plötzlich kappen dann gefährden wir massiv Arbeitsplätze und stürzen unsere gesamte Bauwirtschaft in eine handfeste Krise.

00:10:13: Ja das ist der Standardargument.

00:10:15: Wie kontert der Artikel denn dieses echt massive wirtschaftliche Argument?

00:10:19: Der Autor demontiert diese Argumentation eigentlich auf zwei verschiedenen Ebenen.

00:10:23: fangen wir mal beim Thema Arbeitsplätzen an.

00:10:25: Gerne!

00:10:25: Der moderne Gipsabbauer, der ist hochgradig mechanisiert.

00:10:28: Wir sprechen hier also nicht von Zehntausenden Kumpeln die da unter Tage mit der Spitzhacke malochen sondern von relativ wenigen maschinengestützten Arbeitsplätzen in diesen Steinbrüchen.

00:10:38: Ah ok…

00:10:39: Der regionale wirtschaftliche Hebel – also was die reinen Jobs angeht – ist bei Weitem also nicht so groß wie von der Industrie oft behauptet wird.

00:10:49: Aber der zweite viel wichtigere Punkt betrifft die Alternativen.

00:10:54: Die Quelle betont ganz klar, dass Alternativen zu Naturgips schon seit Jahrzehnten existieren und auch nutzbar sind.

00:11:02: Okay?

00:11:03: Welche Alternatven sollen das denn sein, die mal ebenso zwei Komma fünf Millionen Tonnen Gips ersetzen können?

00:11:09: Der Artikel listet da verschiedene Dinge auf wie REA-Gips, Recycling-Gibs, Chemigibs und Phosphorgibs.

00:11:17: Ein kompletter Ausstieg aus dem Naturabbau bis zum Jahr twenty-fünfundvierzig sei laut Autor absolut machbar.

00:11:24: Moment, da muss ich jetzt aber mal kurz einhaken!

00:11:28: Wenn wir seit Jahrzehnten wissen wie man Gips ohne Steinbrüche gewinnt warum zermahlen wir dann immer noch diese einmaligen Naturnandschaften?

00:11:35: Was ist der Haken an dieser Sache?

00:11:37: Naja... Nimm mal diesen Erja-Gips zum Beispiel.

00:11:41: Der entsteht doch bei den Rauchgasentschwefelungen in Kohlekraftwerken richtig?

00:11:46: Genau

00:11:47: Gips ist da ein Nebenprodukt der Luftreinhaltung.

00:11:50: Aber da liegt doch das Problem total auf der Rand!

00:11:53: Wir steigen gerade alle aus der Kohlekraft aus.

00:11:56: Richtig.

00:11:56: Je mehr Kraftwerke wir abschalten, desto weniger er ja Gips haben.

00:12:00: Die Industrie gerät also – so stelle ich mir das vor – in Panik weil diese künstliche Gipsquelle einfach versiegt und weich deshalb umso aggressiver auf den Natur-Gips im Harz aus.

00:12:11: Das sind sehr guter Punkt von dir und erklärt natürlich die Dringlichkeit der Konzerne Aber umso mehr pocht der Outer eben auf das Thema Recycling.

00:12:19: Gips ist ein Material, dass sich theoretisch endlos recyceln lässt.

00:12:24: Das Problem ist hier nicht die technische Machbarkeit sondern schlichtweg die Bereitschaft der Industrie in entsprechende Anlagen und Infrastruktur zu investieren.

00:12:33: Es ist für die Konzerne im Moment einfach viel bequemer und vor allem profitabler den Gips billig und in sehr hoher Reinheit direkt aus dem Wald zu baggern.

00:12:43: Das ist viel einfacher, als komplexe Verfahren aufzubauen um so alte Riegibsplatten aus Abbruchhäusern erstmal mühsam von Tapetenresten und Schrauben zu befreien.

00:12:53: Der Artikel wirft der Politik da ganz konkret vor diesen bequemen Weg der Industrie auch noch zu stützen anstatt sie durch harte Vorgaben endlich in diese Kreislaufwirtschaft zu zwingen.

00:13:02: Ich höre aber immer noch ein anderes Argument gerade wenn es um solche massiven Eingriffe in die Natur geht nämlich die Renaturierung.

00:13:12: Die Konzerne sagen dann immer so schön Ja, gegraben da zwar ein tiefes Loch.

00:13:17: Aber wir sind verantwortlich!

00:13:19: Wenn wir fertig sind, schütten wir das alles wieder schön zu.

00:13:22: Wir pflanzen dann ein paar Bäume Legen vielleicht noch einen schönen Baggersee an.

00:13:26: die Natur holt sich das schon zurück und am Ende sieht es wieder wunderbar grün aus.

00:13:31: Ist das beim Gipscast nicht auch ein valider Ausgleich?

00:13:36: Das ist der allerwichtigste geologische Punkt in der gesamten Quelle.

00:13:40: Der Autor weist dieses Konzept der Renaturierung in diesem ganz speziellen Fall kategorisch als Illusion zurück.

00:13:46: Warum?

00:13:46: Der Schlüsselbegriff hier lautet Irreversibilität!

00:13:49: Wir müssen da wieder an deine Schwamm-Analogie vom Anfang denken...

00:13:53: Ja, der steinende Schwamm.

00:13:54: Genau.

00:13:55: Wenn ein Bagger in den Kast reinfährt, dann nimmt er ja nicht nur oben ein bisschen Erde weg.

00:14:00: Er zerstört die gesamte Millionen Jahre alte dreidimensionale Architektur des Gesteins.

00:14:05: Ah,

00:14:06: verstehe.

00:14:07: Diese komplexen Wasserwege, die unterirdischen Flüsse.

00:14:10: Die ganzen Höhlensysteme auch die thermischen Bedingungen da unten all das wird einfach pulverisiert.

00:14:17: Wenn man dieses Loch dann später mit Bauschutt oder Abraum wieder auffüllt und obendrauf ein paar Bäume pflanzt Dann hat man vielleicht optisch wieder sowas wie einen Wald.

00:14:27: Aber es ist kein Schwamm mehr.

00:14:29: Richtig.

00:14:30: Das Fundament Also diese geomorphologische Einzigartigkeit, die diesen spezifischen Biodiversitäts-Hotspot erst ermöglicht hat.

00:14:38: Die ist für immer ausgelöscht!

00:14:41: Man kann so einen Castschwamm halt nicht künstlich nachbauen.

00:14:44: Für die seltenen Orchideen und dieser Achtundvierzig Vogelarten ist das kein temporärer Umzug – es is' die endgüntige Vernichtung ihres Lebensraums.

00:14:54: Wow…ja...das

00:14:55: leuchtet absolut ein.

00:14:56: Ein normaler Wald wächst nach aber eine Höhle wächst eben nicht nach?

00:15:00: Genau so isses.

00:15:01: So weit zeichnet der Text also das, ich sag mal klassische Bild.

00:15:05: Die Industrie will billige Rohstoffe?

00:15:07: Die Politik nickt es ab!

00:15:09: Die Natur wird unwiderbringlich zerstört – das kennen wir ja leider schon.

00:15:14: Aber jetzt kommen wir zu dem Punkt, der mich beim Lesen wirklich komplett sprachlos gemacht hat.

00:15:19: Ohja… Jetzt wird's heikel...

00:15:21: Der Text wendet sich plötzlich gegen die eigene Seite.

00:15:25: Es geht hier um einen regelrechten Verrat aus den eigenen Reihen der Naturschütze.

00:15:29: Und wer steht hier eigentlich am Pranger?

00:15:31: Der Zorn des Autors richtet sich da massiv gegen den Bund für Umwelt- und Naturschutzdeutschland, also den BUND.

00:15:38: Und ganz konkret gegen Dr.

00:15:39: Friedhard Knolle.

00:15:41: Wie ist das?

00:15:42: Knollen war lange Zeit der Vorsitzende des BUNd Regionalverbands Westharz – und er isst kurioserweise selbst Geologe und ein sehr renommierter Höhlenforscher!

00:15:51: Moment… Ein

00:15:53: Höhelforscher?!

00:15:54: Ja... Also ein Mann, der die absolute Schutzbedürftigkeit dieser Landschaft eigentlich wirklich in und auswendig kennen muss.

00:16:01: Und was genau wird ihm und dem BOND da jetzt vorgeworfen?

00:16:05: Warum dieser scharfe Ton?

00:16:07: Der Kern des Vorwurfs dreht sich um ein ganz bestimmtes Ereignis im März-Werzeiten.

00:16:12: Damals saßen die Knaufzochter Rumpf und Salzmann, der Nabe Osterode und eben der BONB zusammen an einem Tisch.

00:16:18: Okay!

00:16:19: Und gemeinsam unterzeichneten sie eine sogenannte zusätzliche Kompensationsvereinbarung.

00:16:24: Und diese Unterschrift der Naturschutzverbände, die war laut Text absolut fatal.

00:16:29: Wieso?

00:16:30: Sie lieferte nämlich die entscheidende rechtliche und moralische Legitimation für die Erweiterung des Dolomit-Steinbruchs am Herkenstein bei Irde.

00:16:38: Ah okay!

00:16:39: Der Abbau auf siebendreißig Hektar extrem strengen geschützten Castgelände wurde dadurch einfach abgesegnet – und zwar…und jetzt halte ich fest mit einer Laufzeit bis ins Jahr zwei Tausendneunzig.

00:16:50: Bitte

00:16:50: was?!

00:16:51: Bis zwei tausend

00:16:52: neunzig!?

00:16:53: Wir reden hier von einer Laufzeit von fast achtzig Jahren ab Vertragsabschluss.

00:16:57: Genau!

00:16:58: Wie kann denn ein Umweltverband seinen eigenen Namen unter so einen Freifahrtschein für die Industriesätzen, der bis ans Ende des Jahrhunderts gilt?

00:17:07: Da muss es doch im Gegenzug eine unfassbare Kompensation gegeben haben.

00:17:12: Naja... Was hat der Bund denn dafür bekommen dass er da thirty-seven Hektar Welterbenaturpreis

00:17:17: gibt?!

00:17:17: Also

00:17:18: Die vereinbarte Kompensation bestand laut dem Artikel in erster Linie aus der Pflege einer lokalen Streuobstwiese und der Anlage von ein paar Hecken.

00:17:26: Eine Streu Obstwise?

00:17:27: Ja, eine Streu-Obstwiese!

00:17:29: Das ist ja völlig absurd... das ist als würde Lungenfacharzt ne Patientin bescheinigen dass es völlig okay ist bis zum Jahr zwei Tausend Neunzig drei Schachteln Zigaretten am Tag zu rauchen so lang die Tabakindustrie verspricht ihm im Gegenzug ne Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu bezahlen.

00:17:45: Sehr guter Vergleich.

00:17:46: ja

00:17:47: Es kontakariert doch den gesamten Zweck der Mission für eine völlig marginale Gegenleistung.

00:17:53: Da verstehe ich natürlich, warum der Text das ein Verrat nennt?

00:17:56: Ja!

00:17:57: Der Autor spricht da wirklich ganz offen von Greenwashing durch die Industrie und einer totalen Kapitulation des Naturschutzes.

00:18:05: Und das Präsante daran ist auch die damalige Wahrnehmung – Dr.

00:18:09: Knolle soll diesen Kompromiss zum Zeitpunkt des Abschlusses öffentlich als Zitat toll-und-einvergämlich gelobt haben.

00:18:17: Ja.

00:18:18: Der Text argumentiert eben, dass das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig diese Abbaugenehmigung ohne dieser abfedernende Unterschrift des BUND extrem schwer hätte durchsetzen können.

00:18:27: Die Verbände haben der Zerstörung also faktisch einfach einen grünen Stempel aufgedrückt.

00:18:32: Okay!

00:18:33: Also wir schauen jetzt aus der Perspektive von ... Versuch's

00:18:44: mal

00:18:45: Politik ist oft extrem dreckig und Naturschutzarbeit vor Ort, das ist doch oft ein harter Kampf gegen Windmühlen.

00:18:52: Die Landesregierung stand offensichtlich face an der Seite der Konzerne.

00:18:57: Vielleicht wusste der Bund einfach – Leute die Bagger werden sowieso rollen!

00:19:02: Wir haben absolut keine Chance, dass juristisch irgendwie noch zu

00:19:05: stoppen.".

00:19:07: Also nehmen wir wenigstens diese Streuobstwiese mit um überhaupt irgendeinen ganz kleinen ökologischen Sieg zu erringen?

00:19:14: War das nicht vielleicht einfach nur bitterer schmerzhafter Pragmatismus?

00:19:18: Diese

00:19:19: Überlegung der Schadensbegrenzung, die ist natürlich menschlich nachvollziehbar.

00:19:23: Aber der Artikel zerreißt genau diese Logik komplett.

00:19:26: Warum?

00:19:27: Genau!

00:19:27: Weil die Unterzeichner die langfristigen juristischen Mechanismen ignoriert haben.

00:19:33: Verträge schaffen Realitäten auch für die Zukunft.

00:19:37: Der Autor weist darauf hin dass der Bund heute Jahre später seine Position längst wieder verschärft hat.

00:19:44: Die fordern jetzt lauter als den kompletten Ausstieg aus dem Gipsabbau.

00:19:48: Aber sie hängen jetzt fest, Sie sind in ihrer eigenen juristischen Falle gefangen!

00:19:53: Ah ich verstehe also selbst wenn wir in Niedersachsen und jetzt morgen eine komplett neue Regierung wählen würden?

00:19:59: Genau Eine Regierung die plötzlich sagt hey wir machen das jetzt genau wie Sachsen-Anhalt wird ziehen sofort den Stecker und stoppen den Abbau Dann würde die Industrie einfach lächelnd diesen Vertrag von zwei tausend vierzehn auf ein Tisch legen.

00:20:11: Richtig Sie würden sagen, schaut her.

00:20:13: Wir haben hier eine gütige von euren eigenen Umweltverbänden unterschriebene Vereinbarung bis zu zwei Tausend neunzig.

00:20:20: Ihr könnt uns nicht einfach enteignen oder stoppen ohne uns gigantische Milliardenentschädigungen zu zahlen.

00:20:27: Krass!

00:20:28: Die Unterschrift von damals verhindert also aktiv den Naturschutz von heute?

00:20:33: Völlig korrekt.

00:20:34: Die Kompromissbereitschaft von damals hat zukünftige politische Notbremsen massiv erschwert oder eben sogar unmöglich gemacht.

00:20:43: Der Text hebt da auch extrem hervor, dass dieser Vorfall die Glaubwürdigkeit des gesamten organisierten Naturschutzes in der Harzregion extrem beschädigt

00:20:51: hat.".

00:20:52: Das

00:20:52: glaube ich sofort!

00:20:53: Engagierte Mitglieder haben die Verbände unter lautem Protest verlassen.

00:20:57: Und was der Autor wirklich am schärfsten kritisiert, eine wirkliche institutionelle Aufarbeitung dieses massiven Fehlers durch den BUND hat bis heute einfach nicht stattgefunden.

00:21:08: Das ist wirklich ein harter Schlag in die Magengrube!

00:21:10: Für jeden der denkt das beim Naturschutz eigentlich immer alle auf der gleichen Seite ziehen.

00:21:15: Allerdings

00:21:16: Also fassen wir diese Recherche mal zusammen.

00:21:19: Wir haben hier eine Landschaft, die in Europa und wahrscheinlich weltweit in dieser Form absolut einmalig ist.

00:21:26: Ein gigantischer geologischer Schwamm der Lebensraum für unzählige extrem spezialisierte Arten bietet!

00:21:33: Wir haben eine absurde politische Grenzziehung, bei der auf der einen Seite ein UNESCO-würdiges Biosphärenreservat gepflegt wird – während direkt auf der anderen Seite für kurzfristige industrielle Interessen das komplette Fundament weggebaggert wird.

00:21:50: Und wir haben dazu noch eine echt komplexe schmutzige Geschichte von Hinterzimmerdeals, bei denen selbst Umweltschützer zu Wegbereitern der Zerstörung wurden und das für ein paar gepflanzte Hecken!

00:22:02: Das Fazit des Artikels aus dem Packner-Lomb-Portals ist da auch mehr als eindeutig.

00:22:07: Die Zerstörung der Südharzer Gipskastis ist eben kein unvermeidlicher Kollateralschaden, sondern es ist ein aktiv politisch gewollter Prozess.

00:22:17: Ein Gewollterprozess!

00:22:19: Ja und der Autor fordert deshalb einen sofortigen Stopp aller Ausbaupläne in Niedersachsen, einen radikalen Push für das Gipsrecycling und einen echt verbindlichen Ausstiegsplan.

00:22:29: Das Endziel, so sagt die Quelle – das muss ein übergreifender UNESCO-Welterbestatus für die gesamte länderübergreifende Kastlandschaft sein.

00:22:37: Es ist wirklich eine eindringliche und ja wütende Analyse!

00:22:41: Aber bevor wir dich da draußen heute entlassen, möchten wir dir noch einen Gedanken mitgeben?

00:22:46: Genau

00:22:47: etwas, das uns unweigerlich in den Kopf kam als wir uns durch diese ganzen Argumente der Industrie und die Forderungen der Quelle gearbeitet haben.

00:22:54: Es geht da um die Konsequenzen unserer Forderung.

00:22:58: Der Text verlangt ja den kompletten Ausstieg aus dem Natur-Gibbsabbau in Deutschland – und das ist wenn man nur auf den Harz schaut auch völlig logisch und richtig!

00:23:07: Aber wir sind nun mal eine hochindustrialisierte Gesellschaft.

00:23:11: Unser riesiger Hunger nach Baumaterial, Der verschwindet ja nicht einfach nur, weil wir einen politischen Beschluss fassen.

00:23:19: Richtig!

00:23:20: Unterfrage ich mich – wenn wir unseren eigenen stark regulierten Gipsabbau in Deutschland beenden, lösen wir das Problem dann eigentlich wirklich oder verlagern wir es einfach nur woanders hin?

00:23:31: Das ist die große Frage.

00:23:32: Es ist das klassische NIMBI-Syndrom, not in my backyard.

00:23:36: Nicht vor meiner Haustür!

00:23:38: Auch wenn wir hier im Harz über Deals mit Streuobstwiesen und kaputte Höhlen streiten... Wir haben in Deutschland immerhin Umweltverträglichkeitsprüfungen, wir haben Aufsichtsämter,... ...wir haben einen öffentlichen Diskurs.

00:23:48: Ja, wir habe Regeln.

00:23:51: Genau.

00:23:51: Wenn wir den Hahn einfach zudrehen, dann kaufen wir den Gips am Ende auf dem internationalen Markt.

00:23:56: Und dann kommt er vielleicht aus Ländern, in denen überhaupt keine Rücksicht mehr auf die Natur genommen wird.

00:24:01: wo ganze Berge ohne jede staatliche Kontrolle einfach weggesprengt werden und lokale Gemeinschaften vertrieben werden, ohne dass da auch nur ein einziger Umweltverband am Tisch sitzt.

00:24:10: Das ist genau der Punkt.

00:24:11: retten wir also vielleicht unser eigenes wunderschönes Naturerbe hier – nur um unseren ökologischen Fußabdruck auszulagern und anderswo auf der Welt eine noch viel, viel schlimmere Zerstörung anzurichten.

00:24:24: dass es eben leider die absolut unbequeme Realität unserer globalen Lieferketten.

00:24:29: Exakt, genau das ist die Crux an der ganzen Geschichte!

00:24:32: Also wenn du das nächste Mal eine Nagel in die Wand schlägst oder ein Bild aufhängst dann denk mal kurz darüber nach was in diesem feinen weißen Pulver eigentlich alles steckt?

00:24:41: Die unsichtbaren Krater in Niedersachsen

00:24:44: Jaa... Das Versagen der Politik, die fragwürdigen Deals der Naturschützer und natürlich die gigantische globale Maschinerie die all das überhaupt antreibt.

00:24:53: Schön, dass du bei unserer heutigen Ausgabe dieser Tiefenanalyse dabei warst.

00:24:57: Bleibt neugierig!

00:24:59: Hinterfrage immer die einfachen Antworten und bis zum nächsten Mal!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.