Wie 9/11 die globale Umweltpolitik änderte
Shownotes
Den Artikel dazu gibt es bei Pugnalom.io
Transkript anzeigen
00:00:00: Stell dir mal für ein Moment folgendes Szenerie vor.
00:00:02: Wir schreiben den neunundzwanzigsten Oktober, zwei Tausend Eins.
00:00:06: Mhm!
00:00:07: Wir befinden uns in Marrakesch also mitten in einem islamischen Land und hier kommt gerade die siebte Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmen Konvention zusammen
00:00:17: Ja?
00:00:18: Das ist exakt sechs Wochen nachdem in New York diese Zwillingstürme und in Washington das Pentagon angegriffen wurden.
00:00:25: Eine unglaublich angespannte Zeit.
00:00:27: Absolut!
00:00:28: Die ganze Konferenz steht unter einem massiven Militäraufgebot, es war ja bis zuletzt überhaupt unklar ob das Ganze stattfinden würde.
00:00:35: Richtig...
00:00:37: Aber gut, viertausend Fünfhundert Delegierte aus aller Welt sind tatsächlich angereist.
00:00:42: und jetzt rate mal wo die Vertreter der Vereinigten Staaten sind.
00:00:45: Naja, sie sitzen da lediglich als Beobachter am Tisch?
00:00:48: Genau, die gucken quasi nur zu.
00:00:50: Und bevor wir da jetzt tiefer reingehen, kurz zur Einordnung für dich als Zuhörer.
00:00:56: Wir beide, die dich heute durch diese heutige Diagnose Deutschland führen...
00:01:01: ...wir sind reine KI-Antitäten!
00:01:04: Ganz genau.
00:01:05: Wir sind KI-Entitäten der Labnews Media LLC dem Herausgeber von Diagnosis Deutschland.
00:01:11: Richtig und unsere Mission für die heutige Tiefenanalyse ist es anhand unserer Quelle, die heißt Die Atmosphäre nach dem Einsturz mal chronologisch nachzuzeichnen wie ein einziges historisches Ereignis die globale Umweltpolitik um ja, ein entscheidendes Jahrzehnt zurückwarf.
00:01:30: Ein extrem wichtiger Tauchgang in die Quellen heute und wir müssen hier direkt am Anfang eine Sache unmissverständlich klarstellen
00:01:38: Ja ganz wichtig!
00:01:40: Wir diskutieren hier politische Inhalte und Entscheidungen Von rechter wie von linker Seite, also ob nun Busch oder beiden.
00:01:48: Aber wir wehrten das nicht!
00:01:49: Wir ergreifen hier absolut keine Partei.
00:01:52: Genau – wir geben wirklich nur wertfrei die Positionen und diese historischen Dynamiken aus unserem Quellmaterial wieder.
00:02:00: Und diese Dynamik in Marrakesch war ja geradezu surreal.
00:02:05: Man verhandelte dort nämlich die Betriebsregeln des Kyoto-Protokolls, also exakt jenes Abkommens dem Washington bereits den Rücken gekehrt hatte.
00:02:15: und da stoßen wir direkt auf einen der hartnäckigsten Mythen in dieser ganzen Erzählung der globalen Klimapolitik.
00:02:22: Okay lass uns das mal aufschlüsseln!
00:02:23: Welcher Mythos?
00:02:24: Dieser Mythos lautet schlicht und ergreifend Der elfte September hat das Kyoto-Protokoll zerstört.
00:02:32: Werte mal, wenn Washington dem Klimaabkommen laut unseren Quellen schon Monate vor neun Elf den Rücken gekehrt hat?
00:02:40: Warum wird der elfte September dann überhaupt als dieser massive Wendepunkt in der Umweltpolitik gesehen?
00:02:47: George W. Bush hat Kyoto doch bereits am dreizehnten März, also im Frühjahr offiziell abgelehnt.
00:02:54: Genau das ist der springende Punkt!
00:02:56: Die historische Faktenlage entlarvt diesen Mythos sofort.
00:03:00: Die Absage an Kyoto war ja längst vollzogen, als die Türme fielen.
00:03:04: Wir müssen uns die Mechanik hinter dieser frühen Ablehnung im März-Jahr einmal genauer ansehen.
00:03:10: Busch's Argumentation in so einem Brief an vier republikanischen Senatoren stützte sich auf mehrere strategische Säulen.
00:03:19: Einerseits verwies er darauf, dass das Protokoll «Achzig Prozent der Welt von den Verpflichtungen ausnehme».
00:03:25: was spezifisch auf Schwellenländer wie China und Indien abzielte.
00:03:29: Mhm, verstehe...
00:03:30: Der politische Hebel war da einfach die Angst der US-Wirtschaft einen massiven einseitigen Wettbewerbsnachteil aufzubürden!
00:03:37: Aber es ging dabei ja nicht nur um diese internationale Konkurrenz sondern auch um eine sehr, sehr speziffische rechtliche Auslegung im Inland oder?
00:03:45: Ganz genau.
00:03:46: Also ich spreche von diesem Manöver rund um den sogenannten Clean Air Act.
00:03:50: Das finde ich hier ein extrem faszinierendes juristisches Detail.
00:03:54: Ja, das war ein extrem wirkungsvolles Detail.
00:03:57: Der Clean Air Act ist quasi das wichtigste amerikanische Gesetz zur Luftreinhaltung überhaupt!
00:04:03: Okay...
00:04:04: Die damalige Regierung argumentierte dann schlicht, dass Kohlendioxid nach dem damaligen Verständnis dieses Gesetzes gar nicht als Schadstoff eingestuft sei?
00:04:12: Krass!
00:04:13: Das heißt...?
00:04:14: Wenn etwas juristisch kein Schadstoff ist, dann hat die Umweltbehörde halt auch keinen Mandat da verpflichtende Obergrenzen für Kraftwerke durchzusetzen.
00:04:21: Ah
00:04:22: ok!
00:04:23: Man hat also diesen rechtlichen Hebel angesetzt um verbindliche Emissionsziele bereits im Frühjahr, zwei tausend Eins quasi komplett vom Tisch zu wischen.
00:04:31: Richtig
00:04:32: und das blieb ja nicht nur bei einem bloßen Brief.
00:04:34: Die nationale Energiepolitik wurde dann schon im Mai Zwei Tausend Eins von einer Taskfoster präsentiert
00:04:43: Dick Cheney, richtig.
00:04:44: Genau!
00:04:45: Und dieser CheneY-Plan legte den Fokus glasklar auf mehr heimische Förderung und die Diversifizierung der Ölquellen.
00:04:53: Also gut Wenn diese Doktrien der US-Energiepolitik schon im Mai festgeschrieben war Was genau hat der elfte September dann überhaupt noch verändert?
00:05:04: Naja
00:05:04: er veränderte halt nicht die grundlegende Doktrin an sich Aber er verschob etwas viel subtileres was ungemein folgenreich war
00:05:12: nämlich
00:05:13: den Fokus der gesamten Welt.
00:05:16: Wir betreten hier quasi den Bereich der politischen Psychologie.
00:05:20: Aufmerksamkeit ist in der Politik ja die vielleicht wertvollste und knappste Ressource überhaupt.
00:05:26: Jessica Tuschmann Matthews, die war Zwei-Tausendzwei-Präsidentin der Carnegie Endowment, die bezeichnete diese neue Terroragenda als geradezu
00:05:38: verschlingend.
00:05:39: Es tüft den Kern einfach exakt!
00:05:42: Andere drängende Fragen wurden in den Köpfen der Entscheidungsträger faktisch ausgelöscht.
00:05:47: Der Kontrast in diesem Jahr, der illustriert das wirklich perfekt.
00:05:52: Wie meinst du das genau?
00:05:53: Naja im Februar lieferte der Weltklimarat also das IPCC noch seinen Dritten Sachstandsbericht.
00:05:59: Die Wissenschaft sprach da ganz nüchtern über reasons for concern Also Gründe zur Beunruhigung wegen des Klimawandels.
00:06:08: Und im September erlebte die Welt dann plötzlich eine vollkommen neue, rohe Art der Beunruhigung.
00:06:13: Weißt du?
00:06:14: Das ist als würde in deinem Haus ein orenbetäubender Feueralarm losgehen!
00:06:18: Ja gutes Bild.
00:06:19: Du vergisst in der Sekunde völlig dass das Fundament langsam verrottet weil du nur noch diesen lauten Alarm im Kopf hast der sofortliche Panik auslöst.
00:06:29: Dein ganzer Fokus liegt einfach nur noch auf dem grellen roten Licht.
00:06:33: Ja und um deine Analogie mal weiterzudenken, der Feueralarm bringt halt sofort greifbare sichtbare Feuerwehrautos mit sich.
00:06:41: Das verrottende Fundament hingegen bleibt unsichtbar.
00:06:44: Stimmt!
00:06:45: Was hier wirklich faszinierend ist, ist dieser grundlegende Unterschied zwischen diesen beiden Bedrohungen aus der Perspektive von Sicherheitsstrategien.
00:06:53: Inwiefern?
00:06:54: Terrorismus ließ ich als Krieg erzählen.
00:06:57: Es gab einen klaren Feind es gab Truppen – es war live im Fernsehen abfilmbar.
00:07:02: Der Klimawandel hingegen, der war langsam grenzenlos ein rein statistischer Trend.
00:07:08: Gesellschaften können anscheinend kollektiv nur sehr schwer zwei solche Bedrohungen gleichzeitig
00:07:12: priorisieren.".
00:07:13: Das leuchtet ein!
00:07:15: Wie hat sich dieser psychologische Schiff im Fokus dann auf dem Papier manifestiert?
00:07:20: Also wenn wir uns zum Beispiel die National Security Strategy von two-tosendzwei ansehen das ist ja dieses wegweisende Dokument für vorbeugende militärische Schläge Da taucht das Klima doch praktisch gar nicht mehr auf.
00:07:33: oder irre ich mich da?
00:07:34: Nein, du hast recht.
00:07:35: Es rutscht da fast vollständig an den Rand und wird zu einem rein wirtschaftlichen Anhängsel degradiert.
00:07:41: Und hier griff man dann zu einem sehr cleveren rhetorischen Instrument.
00:07:45: Welchem?
00:07:46: Man sprach plötzlich nur noch von sogenannten Intensitätszielen.
00:07:51: Oh Moment Lass uns das kurz für den Zuhörer übersetzen, weil das ein enorm wichtiger politischer Trick ist.
00:07:57: Unbedingt!
00:07:58: Ein Intensitätsziel bedeutet eben nicht dass man insgesamt weniger CO² ausstößt.
00:08:02: es bedeutet lediglich dass man die Emissionen pro Einheit wirtschaftlicher Leistung senkt.
00:08:07: Genau Also
00:08:08: stell dir als Hörer mal eine Fabrik vor die Autos baut.
00:08:11: Ein Intentsitätsziel heißt Für jedes produzierte Auto stößt die Fabrik jetzt etwas weniger CO₂ als letztes Jahr
00:08:19: Klingt ja erst mal gut.
00:08:21: Genau, das klingt auf dem Papier wunderbar grün!
00:08:24: Aber wenn diese Fabrik plötzlich dreimal so viele Autos baut wie zuvor, steigen die absoluten CO²-Emission der Fabrik trotzdem massiv an.
00:08:32: Perfekt zusammengefasst und die absolutem Mengen in der Atmosphäre interessieren sich halt nicht für wirtschaftliche Intensitätsziele sondern nur für die Gesamtmenge des Gases.
00:08:42: Richtig
00:08:43: Es war also ein Manöver um ungehindertes Wirtschaftswachstum über echten Klimaschutz zu stellen ohne dabei komplett untätig zu wirken.
00:08:51: Verstehe.
00:08:52: In früheren Jahren, also unter Bill Clinton oder sogar George H.W.
00:08:56: Bush – da war Umweltzerstörung noch ausdrücklich als harte sicherheitspolitische Größe definiert worden!
00:09:02: Zwei-tausend zwei war diese Sichtweise nahezu verstummt.
00:09:05: Okay….
00:09:06: wenn nun also alle gebannt auf diesen lauten Feueralarm des Terrorismus schauen?
00:09:11: Dann verändert das ja logischerweise auch die harten innenpolitischen Realitäten und auch die Budgets,
00:09:17: oder?!
00:09:18: Schauen wir uns mal die konkrete Umsetzung zwischen two-thousand eins und zwei-tausend acht an, es blieb ja nicht bei Reden.
00:09:24: Der Cheneyplan zur Auswaltung der fossilen Energien vom Mai Zwei-Tausend Eins, der brauchte plötzlich keine rein wirtschaftliche Begründung mehr.
00:09:32: Er bekam ein Alibi von geradezu unschlagbarer Durchschlagskraft Die nationale Existenzsicherung.
00:09:40: Die Abhängigkeit vom Öl aus unruhigen Regionen des Nahen Ostens wurde nach dem elften September zu einer elementaren Frage des Überlebens erhoben.
00:09:49: Die logische Folge war keine schnelle Energiewende hinzu Wind oder Solar, sondern eine massive Angebotsexpansion heimischer fossiler Energien.
00:10:01: Versucht das neutral zu betrachten, war der Wunsch nach Unabhängigkeit vom Öl unruhiger Regionen aus Sicht die USA.
00:10:08: Nach zwei tausend eins nicht ein absolut logisches Sicherheitsinteresse.
00:10:12: Ich meine wenn dein Staat massiv angegriffen wird willst du doch deine größte Achillesverse absichern und dich nicht von wackeligen Importen abhängig machen oder?
00:10:21: Absolut!
00:10:21: Aus einer reinen Verteidigungsperspektive war das völlig rational.
00:10:26: Die strategische Logik dahinter ist total nachvorzieger.
00:10:30: Das Problem liegt jedoch in der Methode, wie diese Unabhängigkeit erreicht werden sollte.
00:10:35: Man setzte auf die Erschließung öffentlicher Flächen für Bohrungen Auf massiv subventionierte Förderung von Kohle und Gas Neue Atomkraftwerke Und natürlich den Startschuss Für diesen gewaltigen Schiefergasboom Also das Fracking.
00:10:50: Ja, die Dekokarbonisierung wurde quasi durch eine beispiellose fossile Eskalation ersetzt?
00:10:57: Was der natürlich auch erklärt wohin das ganze Geld in der Zeit floss.
00:11:01: Umweltbudgets wanderten dann sicher ab oder?
00:11:03: Ganz genau!
00:11:04: Das fiskalische Vorrecht des Antiterror-Kampfes war absolut.
00:11:08: Staatliche Budgets, die in den neunziger Jahren noch für Umweltfonds und Forschung an Erneuerbaren angedacht waren wurden rigoros umgeschichtet.
00:11:16: Und wohin flossen sie?
00:11:18: Das Geldfloss in die neu geschaffene Home and Security und natürlich zur Finanzierung der Kriege in Afghanistan und dem Irak.
00:11:24: Wahnsinn!
00:11:25: Die USA, mit ihnen ein Großteil der westlichen Welt haben durch diese Priorisierung das erste entscheidende Jahrzehnt des XXI.
00:11:33: Jahrhunderts für die globale Klimawende schlichtweg verloren.
00:11:37: Die US-Emissionen stiegen bis zur Finanzkrise, einfach kontinuierlich an.
00:11:41: Also
00:11:42: was bedeutet das alles?
00:11:44: Der Multilateralismus, der in den Neunzigern aufgebaut wurde, prallte plötzlich gegen eine Wand aus nationalen Sicherheitsinteressen.
00:11:52: Ja exakt!
00:11:53: Während die USA nach innen auf fossile Brennstoffe und militärische Sicherheit setzten.
00:11:58: Wie wirkte sich das eigentlich auf die außenpolitische
00:12:00: Bühne aus?
00:12:01: Das führt uns gedanklich direkt zurück nach Marrakesch und dann ein Jahr später, zwei tausendzwei, nach Johannesburg zum Weltgipfel.
00:12:10: Richtig!
00:12:11: In Marrakech hielt man diplomatisch noch irgendwie die Form.
00:12:14: Die US-Unterstaatssekretärin Paula Duprianski bedankte sich da ganz höflich für die weltweite Anteilnahme nach Nine Eleven und bot bilaterale Technologiepartnerschaften an.
00:12:24: Aber das war es dann auch?
00:12:25: Ja, die Substanz war eigentlich pure Absenz – man weigerte sich strikt, sich einem verbindlichen internationalen Mengengerüst bei den Emissionen zu unterwerfen!
00:12:34: Und was hat der Rest der Welt dann
00:12:35: gemacht?!
00:12:35: Die restliche Welt schloss dass Marrakesch abkommen quasi im Alleingang ab… Immer in der Fagenhoffnung, Washington würde nach einem Regierungswechsel irgendwann zurückkehren.
00:12:46: Kyoto trat dann Zwei-Tausendfünf ohne die USA in Kraft
00:12:50: Und in Johannesburg bei Rio plus zehn zeigte sich wohl das gleiche Bild
00:12:54: Noch deutlicher sogar!
00:12:56: Präsident Busch blieb dem Gipfel komplett fern.
00:12:59: Er schickte nur seinen Außenminister Colin Powell.
00:13:02: Dort blockierten die USA Seite an Seite mit den großen Ölstaaten jegliche verbindlichen Zeitpläne für den Ausbau erneuerbarer Energien.
00:13:11: Häftig!
00:13:11: Klaus Töpfer, der damalige Chef des UN-Umweltprogramms fasste die Atmosphäre da extrem prägnant zusammen.
00:13:18: Der kalte Krieg war zwar vorbei aber der heiße Krieg gegen den Terror dominierte nun alles
00:13:23: Und das hat doch sicher die ganze Art und Weise verändert wie solche Verträge überhaupt noch gemacht wurden oder?
00:13:28: Komplett.
00:13:29: Unter diesem massiven Druck wandelte sich die gesamte Architektur internationaler Verträge.
00:13:34: Anstelle von bindenden, volkerrechtlichen Verträgen forcierte man zunehmend sogenannte Public-Private-Partnerships – also öffentlich-private Partnerschaften.
00:13:44: Lass uns auch hier kurz in die Mechanik gehen!
00:13:46: Es ist wichtig.
00:13:47: Gerne.
00:13:48: Warum ist das aus Sicht der Klimapolitik so ein drastischer Rückschritt?
00:13:52: Eine öffentlich private Partnerschaft, das klingt doch erst mal nach einer superpragmatischen Zusammenarbeit.
00:13:57: Ja, das klingt gut aber der Unterschied liegt in der Verbindlichkeit.
00:14:01: Ein UN-Vertrag wie Kyoto setzt klare juristische Grenzen und Sanktionsmechanismen für ganze Staaten.
00:14:09: Eine Public Private Partnership ist hingegen oft wenig mehr als eine freiwillige Absichtserklärung von Unternehmen und Regierungen – es gibt da keine harten Quoten, keine Strafen bei Nichterfüllung….
00:14:21: Es ist eher so ein prozessorientiertes Händeschütteln!
00:14:26: Es ist also völlig unverbindlich.
00:14:29: Genau, das Vertragswesen der Umweltpolitik fuhr förmlich ein, weil der Unilateralismus der USA – das gipfelte ja dann im Irak Krieg, in dem es um die UN-Mandat ging – das Prinzip der Gegenseitigkeit massiv beschädigte.
00:14:45: Verträge wurden in Washington zunehmend als inakzeptable Zumutung an die eigene nationale Souveränität begriffen.
00:14:52: Hier wird es wirklich interessant!
00:14:56: Es ging bei diesem Rückschlag für das Klima ja nicht nur um die diplomatische Abwesenheit der USA, sondern es ging auch um eine extrem physische Präsenz des Militärs in der Welt.
00:15:07: Und dass ist ein Faktor, den glaube ich viele in dieser Debatte überhaupt nicht auf dem Schirm haben – die tatsächliche Klimabilanz dieses Krieges gegen den Terwor!
00:15:15: Ohja….
00:15:15: Die Zahlen dazu sind schwindelerregend.
00:15:18: Neter C Crawford von der Brown University hat das für das sogenannte Cost-of-War-Projekt mal detailliert berechnet
00:15:25: Und was kam daraus?
00:15:26: Naja, das Pentagon ist bekanntermaßen der größte institutionelle Einzelverbraucher von fossilen Brennstoffen weltweit.
00:15:33: Für den Zeitraum von ein Jahrzehnt bis zu einem Jahrzehn schätzt Crawford die Gesamtemission in der amerikanischen Streitkräfte auf eine Umgebung von rund um zwei Millionen Tonnen CO²-Equivalent.
00:15:45: Wow!
00:15:45: Ja und davon entfallen mehr als vierhundertvierzig Millionen Tonne allein auf Auslandseinsätze – also in Afghanistan, Pakistan dem Irak und Syrien.
00:15:58: Wir sprechen hier von Dimensionen, die den gesamten Jahresemissionen ganzer Industriestaaten entsprechen.
00:16:05: Genau so ist es!
00:16:07: Aber wie genau kommen diese massiven Summen überhaupt zustande?
00:16:10: Es ist im Grunde eine Frage der militärischen Logistik.
00:16:13: Ok Stell dir vor du musst Teibstoff für Generatoren und Panzer in so ne völlig abgelegene Basis in der afghanischen Wüste bringen.
00:16:21: Dieser Treibstoff wird auf Schiffe geladen, dann auf Lastwagen die in massiven Convoys fahren.
00:16:26: Teilweise müssen sie von Hubschraubern eskortiert oder sogar transportiert werden.
00:16:31: Ah das heißt... Du
00:16:32: verbrennst auf diesem komplexen tausende Kilometer langen Logistikweg Unmengen an Treibstoff nur um am Ende einen kleinen Bruchteil dieses Treibstoß an der Front abzuliefern.
00:16:42: Das ist ja der absolute Wahnsinn.
00:16:44: Ja und dazu kommen dann noch Tausende von extrem ineffizienten Klimaanlagen in diesen provisorischen Wüstenzelten, das frisst Energie ohne Ende!
00:16:54: Und dass absolut absurde daran ist doch... In den internationalen Verhandlungen also im Kyoto-Protokoll und sogar noch später in Paris abkommen wurden militärische Emissionen quasi mit Samtanschuhen angefasst, oder?
00:17:07: Ganz genau.
00:17:07: Sie galten als sogenannte privilegierte Emission für die nationale Sicherheit.
00:17:13: Krass!
00:17:13: Sie tauchten teilweise nur als statistische Fußnote auf und sie waren komplett ausgenommen von den harten Reduktionszielen.
00:17:21: Was uns jetzt zu einem fundamentalen und echt bitteren Paradoxon führt, das Pentagon-und andere westliche Militärs bezeichnen den Klimawandel heute völlig korrekt als Threat Multiplier.
00:17:34: Also als Bedrohungsmultiplikator.
00:17:37: Ja genau!
00:17:38: Das ist der Begriff.
00:17:39: Sie erkennen also an dass Klimaveränderungen dürren verursachen die dann wiederum zur Migration und dem Zusammenbruch von fragilen Staaten führen.
00:17:47: Richtig.
00:17:47: Man führt also einen gigantischen, ressourcenintensiven Krieg im Namen der nationalen Sicherheit und heizt genau durch diese Panzer, Konvoys und den Treibstoff exakt die globale Destabilisierung an, die man dann später wieder strategisch bekämpfen muss?
00:18:03: Ja es ist absurd!
00:18:05: Ein signifikanter Teil dieses Multiplikators kam buchstäblich aus dem eigenen Militär-Tanks und Klimaanlagen in der Wüste.
00:18:12: Das ist echt ein starkes Stück.
00:18:15: Die bedungungslose Operationalisierung von Sicherheit hat die globale Unsicherheit durch Klimaeffekte also ironischerweise massiv vergrößert.
00:18:24: Wahnsinn!
00:18:25: Es demonstriert wirklich eindrucksvoll, wie blind Sicherheitspolitik sein kann wenn sie einfach nur eine einzigen narrativen Prämisse folgt.
00:18:33: Das operative Geschäft der Kriegsführung entzog sich schlichtweg der klimapolitischen Verantwortlichkeit
00:18:39: Weil das Ziel alles andere gerechtfertigt hat.
00:18:41: Genau, dass unmittelbare Ziele rechtfertigte quasi jeden unsichtbaren Kollateralschaden in der Atmosphäre.
00:18:47: Und diese Blindheit wie du es nennst, die hielt ja erstaunlich lange an!
00:18:51: Wenn wir uns jetzt mal auf der Zeitachse anschauen wann dieses Verlohne Jahrzehnt eigentlich endete also wann das Klima politisch wieder die gleiche Dringlichkeit bekam als der Terrorismus da landen wir interessanterweise erst in der jüngsten Vergangenheit oder?
00:19:03: Ja... Das hat unfassbar lange gedauert.
00:19:07: Laut unseren Quellen dauerte es bis zur beiden Regierung.
00:19:12: Erst im Jahr, stelle sich Geheimdienstchefin Avril Haynes hin und forderte explizit dass der Klimawandel direkt in das Zentrum der nationalen Sicherheitspolitik rücken müsse.
00:19:24: Das war quasi der Moment wo er sich offiziell gedreht hat.
00:19:31: Zwei volle Jahrzehnte.
00:19:32: Wenn
00:19:33: wir das mit dem Großen Ganzen verbinden, sehen wir hier das eigentliche tiefe Erbe des Elften September für die Umweltpolitik.
00:19:39: Das Problem war ja nicht dass die Klimawissenschaft plötzlich aufhörte zu forschen und das Problem war auch nicht dass in Europa nicht weiter über Verträge debattiert wurde.
00:19:49: Das Erbe von Nine Eleven ist ein verlorenes Jahrzehn der Hierarchie.
00:19:54: Was
00:19:54: genau meinst du mit Hierarchy?
00:19:56: In der Rangordnung der politischen Dringlichkeit stand die kollektive Furcht dieses greifbare, schockierende Spektakel einfach immer über dem langsamen, schleichenden Trend des Klimas.
00:20:09: Für dich der uns hier gerade zuhört bedeutet das in der Konsequenz etwas sehr, sehr greifbares wenn du heute auf die massiven Probleme schaust globale Klimaziele wie das Pariser Abkommen auch nur ansatzweise zu erreichen.
00:20:21: wir rennen heute im Grunde einem gigantischen Rückstand hinterher der exakt in diesen Nullerjahren durch diese Verschiebung der Aufmerksamkeit aufgebaut wurde
00:20:29: Ganz genau.
00:20:29: Die
00:20:30: Zeit, in der die Kurve der weltweiten Emissionen hätte drastisch sinken müssen haben wir kollektiv mit einer fossilen Eskalation und gigantischen Militärbudgets verbracht.
00:20:38: Die grundlegende Tagik ist hier – die extrem knappe Ressource der politischen Wandbreite.
00:20:45: Eine Gesellschaft scheint kollektif schlichtweg nicht in der Lage zu sein mehr als eine existenzielle Geschichte zur selben Zeit politisch zu verarbeiten.
00:20:55: Im Herbst des Jahrhunderts entschied man sich eben für die Geschichte des Terrorismus.
00:21:00: Wie unsere Quellen ist so eindrücklich schildern Die zerstörten Türme in New York waren Asche und Staub.
00:21:08: Sie waren physisch greifbar, man konnte sie auf den Straßen von Manhattan liegen sehen.
00:21:12: Das Kohlendioxid aus den Schloten und den Konvoys hingegen das war komplett unsichtbar.
00:21:18: Letzteres musste einfach warten bis die Kriege irgendwann müde wurden.
00:21:22: Und genau deshalb wurde Marrakesch zu dem Ort, an dem das Betriebssystem eines Klimaprotokolls quasi ohne seinen größten Emittenten geschrieben werden musste.
00:21:31: Das bringt uns auch schon zum Schluss unserer heutigen Ausgabe von Diagnose Deutschland!
00:21:36: Wir haben heute detailliert beleuchtet wie die orenbetäubenden Sirenen einer sichtbaren Bedrohung dass leise Knirschen eines verrottenden Fundamentes fast zwanzig Jahre lang übertönt haben.
00:21:49: Wenn wir aus unseren Quellen heute etwas gelernt haben, dann die erschreckende Erkenntnis dass Politik und Gesellschaft offensichtlich immer nur eine einzige lautstarke Krise auf einmal verarbeiten können.
00:22:02: Ja das ist wohl die harte Realität.
00:22:05: Daher möchte ich dir als Zuhörer zum Abschluss einen provokanten Gedanken mit auf den Weg geben.
00:22:11: Etwas über das du in den nächsten Tagen für dich selbst nachdenken kannst.
00:22:15: Da bin ich gespannt!
00:22:18: Psychologische Muster der Geschichte heute immer noch genauso funktioniert, welche laute Krise dominiert wohl exakt in diesem Moment unsere Schlagzeilen und lässt uns alle völlig vergessen dass uns im Hintergrund schon wieder massiv die Zeit für das nächste unsichtbare Problem davonläuft.
00:22:34: Das ist wirklich die entscheidende Frage für die Krisen von morgen!
00:22:39: Danke, dass du uns auf dieser tiefgehenden Analyse begleitet hast.
00:22:42: Wir hoffen wir konnten dir die historischen Hintergründe aus den Dokumenten greifbar machen.
00:22:47: Wir freuen uns, wenn du beim nächsten Tauchgang in die Quellen wieder mit dabei bist.
00:22:51: Bis dahin!
Neuer Kommentar