Kunst: Marita Vollborn verweigert ARES den USA

Shownotes

Heute diskutieren unsere zwei KI-Moderatoren über die Weigerung der deutschen Künstlerin Marita Vollborn, ARES in den USA auszustellen, solange die demokratischen Check and Balances durch Präsident Donald Trump.ausgesetzt bleiben..

Marita Vollborn ist selected Artist der Chianciano Biennale 2026, wo ARES ausgestellt wird.

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00:00:00: Willkommen zu The Debate.

00:00:02: Also, stellen Sie sich mal einen öffentlichen Platz vor.

00:00:05: Irgendwo sagen wir mitten in einer wirklich belebten Metropole und in der Mitte dieses Platzes steht ein massiver klassischer Steinsockel.

00:00:15: Er ist präzise behauen, wuchtig, genau die Art von Fundament auf der wir normalerweise generell oft Pferden oder triumphierende Krieger erwarten würden.

00:00:25: Ja das klassische Herrschaftssymbol quasi?

00:00:28: Exakt!

00:00:28: Aber wenn sie jetzt näher herantreten, stellen Sie fest.

00:00:31: Da steht absolut nichts!

00:00:33: Der Sockel ist vollkommen leer...

00:00:35: Eine ganz bewusste Lehrstelle also ein physisches Vakuum exakt dort wo wir eigentlich Erhabenheit oder ja eine historische Erzählung erwarten würden.

00:00:45: Richtig und diese Lehrställe zwingt uns unweigerlich zu einer zentralen Frage unserer heutigen Diskussion Kann dieses Vakum dieses Bewusste fehlen, diese völlige Verweigerung von Kunst am Ende vielleicht sogar lauter und eindringlicher sprechen als die schwerste monumentalste Bronze Skulptur selbst?

00:01:07: Naja wir mögen es ja normalerweise wenn Kunst sichtbar ist nicht wahr.

00:01:11: Wenn sie den Raum einnimmt, wenn sie uns physisch konfrontiert und herausfordert.

00:01:17: Absolut!

00:01:18: Eine Lehrstelle entzieht sich dieser direkten Konfrontationen im ersten Moment aber Und da haben Sie recht, sie provoziert auf einer ganz anderen fast schon unbequem Ebene.

00:01:31: Man fragt sich sofort warum ist das weg?

00:01:34: Wer hat das weggenommen?

00:01:35: Genau diese Provokation ist der Kern unseres heutigen Diskurses.

00:01:40: Wir stehen vor einem massiven Spannungsfeld zwischen Präsenz und Verweigerung also zwischen künstlerischer Intervention und politischen Boykott.

00:01:50: Unser Ausgangspunkt dafür ist die europäische Bildhauerin Marita Vollborn.

00:01:55: Und spezifisch ihrer Zwei-Tausendfünfzehn erschaffene Skulptur, ähm ...

00:02:00: Ares?

00:02:01: Ja!

00:02:02: Zur Einordnung – dieses Werk wird vom Fünftzehnten bis zum Neunundzwanzigsten August dieses Jahres auf der Hianchano Bienale Zweitausendsechsundzwantzig in der Toscana ausgestellt.

00:02:13: soweit ein normaler Vorgang in der Kunstwelt.

00:02:17: Aber Vollborn hat gleichzeitig wirklich ne Bombe platzen lassen.

00:02:21: Und was für eine?

00:02:22: Angesichts der erodierenden demokratischen Institutionen und dieser neo-imperialen Tendenzen unter der zweiten Trump-Regierung in den USA, hat sie unmissverständlich klargemacht Sie boykortiert Ausstellungen in den Vereinigten Staaten.

00:02:38: Sie zieht ihre Kunst aktiv aus diesem Raum ab.

00:02:41: Und da sind wir direkt im Zentrum der Debatte, denn das führt uns zu der Frage wie Kunst im geopolitischen Krisen eigentlich funktionieren sollte?

00:02:51: Darf sich moderne Kunst aktiv als Konflikträumen zurückziehen um eben gegen Machtmissbrauch zu protestieren?

00:02:59: Ich vertrete hier ganz klar die Position dass sie das muss.

00:03:03: Sehen Sie Ich sehe das nämlich extrem kritisch.

00:03:05: Für mich bedeutet der Rückzug der Kunst aus solchen diplomatischen Spannungsfeldern den schlichten Verlust von wertvollen Dialogbrücken, man beraubt die Kunst ihres eigentlich subversiven

00:03:16: Potenzials.".

00:03:17: Da seh ich völlig anders!

00:03:19: Für mich ist dieser Schritt ein essenzielles moralisches Korrektiv.

00:03:24: Ein kultureller Boykott ist in dieser speziellen Situation ein legitimes, ja fast zwingendes Mittel um die Integrität der Kunst davor zu bewahren von einem problematischen Machtapparat-Vereinnahmen zu werden.

00:03:36: Aber lassen Sie uns vielleicht einen Schritt zurückgehen damit wir wirklich verstehen worüber wir hier reden?

00:03:41: Werfen wir einen Blick auf Marita Vollborn selbst und auf dieses spezifische Werk!

00:03:53: Absolut.

00:03:54: Vollborn ist in der DDR geboren.

00:03:58: Sie hat lange als investigative Wissenschaftsjournalistin gearbeitet, das bedeutet sie hat einen extrem geschärften Blick für Systemversagen.

00:04:06: Ja, sie weiß genau wie staatliche Apparate funktionieren

00:04:10: Genau!

00:04:11: Sie hat am eigenen Leib erfahren was passiert wenn staatliche Macht unkontrolliert bleibt Wenn Zensur greift und internationale Normen einfach missachtet.

00:04:20: erden Und all dieses Wissen, diese Sensibilität für Machtstrukturen fließt in ihr Projekt Sinn und Scherben ein.

00:04:28: Ein massives Projekt!

00:04:30: Ja das ist eine Serie von fünfzig Werken – und Aris ist eben ein zentrales Stück daraus.

00:04:35: Wenn wir über Aris sprechen, sprechen wir ja nicht über ein harmloses Stillleben.

00:04:40: Also Aris is in der griechischen Mythologie der blutrünstige Kriegsgott.

00:04:45: Der Gott des Massakas explizit nicht der edlen intellektuellen Strategie

00:04:50: Richtig.

00:04:52: Und Vollborns Ares ist eine direkte Anklage gegen den Militarismus, es ist ein wisserales Zeugnis das uns an die über achtzig Millionen Toten zweier Weltkriege erinnert.

00:05:04: Achtzig Millionen Tote, die offensichtlich nicht gereicht haben um das globale Wettrüsten heute zu stoppen.

00:05:12: und jetzt kommt der für mich entscheidende Punkt Wenn eine Künstlerin mit genau diesem Hintergrund, mit genau diesen Werk sagt Ich respektiere die demokratische Wahl des amerikanischen Volkes völlig.

00:05:25: Aber ich stelle meine Kunst nicht einem System zur Verfügung dass einer eigenen Checks and Balances aushöhlt Dann ist das eine absolut konsequente Haltung und

00:05:37: auch mutige persönliche Haltung es.

00:05:40: Aber wir müssen uns doch anschauen, wie das in der Praxis wirkt.

00:05:44: Inwiefern?

00:05:45: Aus der Perspektive der Kulturdiplomatie also der sogenannten Softpower halte ich diesen Bolkott für einen taktischen Fehler.

00:05:53: Lassen Sie uns über die Mechanik eines solchen Boykott sprechen.

00:05:57: Wen trifft Vollborn denn damit eigentlich?

00:06:02: Aber

00:06:02: tut sie das wirklich, denken sie ernsthaft die Architekten einer neo-imperialen Politik im Weißen Haus also die Leute die internationale Verträge infrage stellen sitzen abends da und ärgern sich dass eine Brunse Skulptur aus Deutschland nicht in einer Galerie in Chicago steht.

00:06:18: Das ist vielleicht etwas zu simpel gedacht.

00:06:21: Natürlich nicht.

00:06:21: Ein Boykott straft in der Regel ihm nicht die Machthaber, er straft die Zivilgesellschaft vor Ort, er straft genau das kritische Milieu in den USA, dass diese Kunst gerade jetzt am dringendsten

00:06:34: bräuchte.".

00:06:35: Das Argument der Zivil-Gesellschaft höre ich oft – aber ich halte es in diesem Kontext für wirklich zu kurz gedacht!

00:06:42: Kunst ist in Zeiten der hybriden Kriegsführung und der massiven geopolitischen Militarisierung nicht einfach nur ein hübscher Spiegel, in den die Gesellschaft schauen kann um sich selbst zu reflektieren.

00:06:54: Sondern?

00:06:55: Kunst ist im diesem Fall ein Feuermelder.

00:06:57: Ein Feuermelder Das müssen Sie mir erklären.

00:07:00: Ja

00:07:01: also Stellen sie sich Ares als Feuermelde vor.

00:07:05: Vollzehrbauen sieht dass die internen Löschsysteme in den USA, also die angesprochenen Checks and Balances massiv unter Druck stehen.

00:07:14: Wenn ein Feuermelder in einem brennenden Haus demontiert und draußen auf die sichere Straße gestellt wird, verliert er nicht seine Funktion.

00:07:23: Im Gegenteil – diese demonstrative Demontage zeigt der ganzen Nachbarschaft der ganzen Welt!

00:07:30: Seht her, dieses Haus ist im Moment unrettbar.

00:07:33: Wir müssen von außen Alarm

00:07:34: schlagen.".

00:07:35: Also das ist ein wirklich starkes Bild, das gebe ich zu.

00:07:39: Aber lassen Sie uns doch mal bei dieser Logik bleiben!

00:07:42: Wenn sie den Feuermelder aus dem brennenden Haus auf die Straße tragen dann retten sie vielleicht den Feuermelder

00:07:49: und man warnt die Nachbarn.

00:07:51: Ja, vielleicht setzen sie ein tolles Zeichen für die Nachbarn auf der Straße.

00:07:56: Aber die Menschen, die noch drin im Haus sind... ...die ersticken im Rauch weil sie eben nicht mehr gewarnt werden.

00:08:03: und genau das ist mein grundsätzliches Problem mit dem Boykott!

00:08:12: Manche ja, manche nicht.

00:08:14: Und Kunst hat die einzigartige Fähigkeit diesen Rauch sichtbar zu machen und ihn zu artikulieren.

00:08:20: Lassen Sie uns doch mal über die Materialität von Aris sprechen!

00:08:24: Das ist keine abstrakte Videokunst, die man einfach per Link verschicken kann.

00:08:29: Wir reden hier über Bronze.

00:08:31: Schwere massive Bronze?

00:08:32: Ja...

00:08:33: Exakt.

00:08:34: Und Brunze ist historisch betrachtet das absolute Material der Macht, seit Jahrtausenden gießen wir unsere Kaiser, unsere Feldherren und unsere Kriegerdenkmäler in Bronze.

00:08:45: Vollborn nimmt dieses Herrschaftsmaterial unsuppvertiertes meisterhaft.

00:08:50: Sie glorifiziert den Kriegsgott eben nicht – sie zeigt ihn ungeschönt als Symbol der brutalen Gier.

00:08:57: Und sie macht das in einem Format von vierunddreißigmal, neunundzwanzigmal dreißig Zentimetern.

00:09:02: Eine sehr komprimierte fast klaustrophobische Größe?

00:09:04: Richtig!

00:09:05: Das ist kein fünf Meter hohes Denkmal zu dem man ehrfürchtig aufschaut.

00:09:10: Diese Maße zwingen den Betrachter nahe heranzutreten.

00:09:14: Man muss sich zu dieser Skulptur hinabbeugen.

00:09:17: Man spürt die Dichte und Schwere dieses Materials auf engstem Raum.

00:09:22: Diese Kunst fordert physische Präsenz.

00:09:24: Ja, das stimmt!

00:09:25: Sie ist dafür gemacht dass man mit ihr im selben Raum atmet.

00:09:29: Wenn dieser Kriegsgott nun in heutigen Amerika angeblich wieder erstarkt Dann muss diese warnende Bronx-Skriptur exakt dort stehen.

00:09:36: sie muss den Menschen dort physisch entgegentreten.

00:09:39: Ein Feuermelder der naja im toskanischen Cianciano Thermeschrilt weckt in Washington einfach niemanden auf Moment...sie sprechen so als wäre der kulturelle Austausch ein komplett neutraler Raum Ein Raum, der völlig unabhängig von der Politik existiert.

00:09:55: Aber wir müssen doch verstehen wie Machtapparate solche Ausstellungen instrumentalisieren.

00:10:00: Instrumentalisieren?

00:10:03: Durch eine kritische Skulptur?

00:10:05: Ja!

00:10:06: Eine diplomatische Brücke zu einem System das internationales recht offenkundig missachtet degradiert den kulturellen Austausch zur reinen Dekoration der Macht.

00:10:16: Kunst wird dann zum Feigenblatt Zum Alibi.

00:10:20: Ein Alibi für wen genau?

00:10:21: Für den Staat?

00:10:23: Schauen wir uns doch konkret den Auslöser für Vollbauensentscheidung an.

00:10:27: Es geht ja nicht nur um so ein diffuses Unbehagen, sie nennt explizit die neo-imperialen Dominanzansprüche gegenüber Grönland.

00:10:35: Ah, GrönLand!

00:10:36: Ein hochkomplexes geopolitisches Thema, ja.

00:10:39: Aber mehr als das... Wenn die USA ernsthafte, strategische oder sogar territoriale Dominanz über ein Gebiet wie Grönland an diskutieren, dann ist das kein kleiner diplomatischer Ausrütscher.

00:10:54: Das ist die Rückkehr zu einer imperialistischen Logik bei der Großmächte wieder anfangen, die Souveränität anderer Partner nach beliebem in Frage zu stellen?

00:11:04: Das ist exakt die Art von Machtpolitik, die historisch immer zu den Kriegen geführt hat vor denen Arres uns warnt!

00:11:10: Ich verstehe den

00:11:11: Zusammenhang.".

00:11:12: Wenn Vollborn nun sagt, ich mache da nicht mit.

00:11:15: Dann verhindert sie, dass ihre Kunst vereinnahmt wird!

00:11:19: Wenn Sie in einer New Yorker-Galerie ausstellt während die Regierung in Washington gleichzeitig internationales Recht in der Arktis neuschreibt dann signalisiert Ihre bloße Anwesenheit als europäische Künstlerin.

00:11:31: Business as Usual.

00:11:32: alles ist in Ordnung – der kulturelle Betrieb läuft weiter.

00:11:35: Da

00:11:35: muss ich kurz einhaken.

00:11:36: Ich verstehe ihre Sorge vor der Instrumentalisierung absolut, aber ich glaube sie überschätzen maßlos wie sehr sich die harte Politik für den Kunstbetrieb interessiert.

00:11:47: und was noch wichtiger ist Sie unterschätzen die Macht der Subversion.

00:11:52: Inwiefern unterschätzt sich das?

00:11:55: Business as usual wäre es doch nur wenn sie unverfängliche nette Landschaftsbilder ausstellen würde Aber sie würde den Kriegsgott buchstäblich mitten ins Zentrum der Macht bringen.

00:12:05: Wissen Sie, wie echte Kulturdiplomatie funktioniert?

00:12:07: Naja.

00:12:08: Erklären sie Ihre Sicht!

00:12:09: Sie findet nicht in den Hinterzimmern des Pentagon statt.

00:12:13: Sie findet in den Galerien und Universitäten in den öffentlichen Diskursräumen statt.

00:12:18: Wenn Aris dort steht, dann liefert das den amerikanischen Intellektuellen – den Journalisten, den Studenten einen physischen Ankerpunkt um genau diese Grönland-Politik zu kritisieren.

00:12:28: Die Kunst liefert den Wortschatz für den Widerstand.

00:12:30: Aber zu welchem

00:12:31: Preis?!

00:12:32: Der Boykott ist ja kein passives Wegducken, der Boykot ist in diesem Fall die allerlauteste Form der Kritik.

00:12:40: Durch die Weigerung erzeugt Vollborn eine weltweite Debatte – eine Debatte, die wir beide hier auch führen.

00:12:48: Ja, wir sprechen darüber… Aber wo?

00:12:50: Wenn sie einfach ausgestellt hätte, hätten ein paar Tausend Leute in einer Galerie genickt und gesagt «Ja, der Krieg ist schlimm».

00:12:57: Durch den Boykotte zwingt sie uns über das System selbst zu sprechen!

00:13:01: Sie entzieht dem System die kulturelle Absolution.

00:13:04: Aber

00:13:04: schauen wir uns doch mal an, was die Alternative in der Realität ist!

00:13:09: Wo steht Ares denn jetzt stattdessen?

00:13:11: Auf der Schianziano-Bianale in der Toscana

00:13:14: Ein absolut renommierter Ort für zeitgenössische Kunst – das müssen sie zugeben.

00:13:18: Zweifelsohne Die Toscaner tief durch Drungen vom Renaissance Humanismus.

00:13:24: Ein wunderschöner idyllischer Landstrich.

00:13:27: Die Bienale dort versammelt im August rund dreihundert internationale Künstler.

00:13:32: Das ist intellektuell hochgradig stimulierend?

00:13:36: Eben!

00:13:37: Aber seien wir doch mal brutal ehrlich, wer läuft denn in August durch die etruskisch geprägten Straßen von Cianciano-Terme und schaut sich diese Kunst an?

00:13:46: Das sind europäische Kunstkenner, das sind Intellektuelle, die ohnehin schon wissen dass Militarismus furchtbar ist.

00:13:52: Das es jetzt aber sehr klischeehaft...

00:13:55: Nein, das isst die Realität.

00:13:57: Im Englischen sagt man so schön preaching to the choir.

00:14:00: Man predigt vor den bereits bekehrten, das ist ein wunderbarer intellektueller Resonanzraum in Italien aber es tut dort einfach niemandem weh.

00:14:10: wahre Kunstdiplomatie bedeutet den Schmerz dorthin zu tragen wo er verursacht wird.

00:14:17: Nicht in die toskanischen Olivenhaine.

00:14:19: Da

00:14:19: muss ich vehement widersprechen!

00:14:21: Sie zeichnen hier ein Bild von Europa, als wäre es eine gemütliche pazifistische Echokammer, in der sich alle einig sind und Espresso trinken.

00:14:29: Das greift massiv zu kurz und ignoriert unsere aktuelle Realität.

00:14:33: Inwiefern?

00:14:34: Europa ist doch nicht der Aggressor in der Grönland-Frage.

00:14:37: Europa steht geopolitisch selbst unter einem immensen Druck.

00:14:41: Die Debatten über Aufrüstung, über Militarisierung, über die eigene Verteidigungsfähigkeit toben hier genauso.

00:14:47: Wir haben den Krieg auf unserem eigenen Kontinent!

00:14:49: Vollborns Fokus auf Europa ist also ganz sicher kein Rückzug in ein….

00:14:53: naja unpolitisches Refugium – es ist der bewusste Aufbau eines Gegenpols.

00:14:58: Aber Europa ist eben nicht der Akteur, der die von ihr kritisierten Dominanzansprüche stellt?

00:15:03: Nein aber Europa ist der Kontinent, der sich entscheiden muss wie er sich in dieser neuen rauen Weltordnung positioniert.

00:15:10: Die ungeschönte, rohe Darstellung von Aris zwingt auch uns in Europa zur harten Auseinandersetzung mit der menschlichen Ambivalenz.

00:15:18: Wir haben doch selbst eine tiefe historische Verstrickung in Schuld- und Machtpolitik!

00:15:23: Wenn Volborn dieses Werk auf europäischen Boden präsentiert, dann erinnert sie unseren Kontinent eindringlich an seine eigene Friedensverantwortung.

00:15:30: Sie will Europa quasi impfen bevor der Virus des unreflektierten Militarismus auch hier voll ausbricht.

00:15:36: Also

00:15:36: eine prophylaktische Intervention?

00:15:38: Genau... Das ist kein Predigen vor Bekehrten, das ist eine harte Intervention am eigenen europäischen Körper.

00:15:45: Gerade weil die USA als verlässlicher Anker im Moment

00:15:48: wegfallen.".

00:15:48: Okay ich akzeptiere diesen Gedanken der europäischen Verantwortung völlig und ich stimme ihnen zu dass Europa derzeit selbst eine hoch komplexe Nabelschau in Sachen Sicherheitspolitik betreibt.

00:16:00: Es stimmt!

00:16:01: Europa isst kein reiner Safe Space mehr.

00:16:04: Aber lassen Sie uns noch einmal auf die Biografie von Marita Vollborn zurückkommen, die sie anfangs so treffend angeführt haben.

00:16:12: Sie meinen Ihre Erfahrungen in der DDR?

00:16:14: Genau die!

00:16:16: Sie standen neunzehnhundertneinundachtzig buchstäblich dabei als der Eiserne Vorhang viel.

00:16:21: Sie hat das Ende der DDR und den Fall der Berliner Mauer hautnah miterlebt.

00:16:25: Ja

00:16:26: Und ausgerechnet jemand, der die klaustrophobische Zensur eines Regimes und die Befreiung durch das Aufbrechen von Grenzen so existenziell miterlebt hat müsste doch den unschätzbaren Wert des grenzüberschreitenden Austauschs kennen.

00:16:40: Warten Sie!

00:16:41: Das können sie so nicht vergleichen – das ist ein völlig anderer Kontext.

00:16:45: Die

00:16:45: gegen globale Aufrüstung geholfen.

00:16:48: Wenn wir als Kulturschaffende anfangen, den kulturellen Raum nach politischen Haltungsnoten zu parzellieren und zu sagen hier dürft ihr meine Kunst sehen dort drüben aber nicht dann geben wir genau das auf was Kunst eigentlich universell macht.

00:17:02: Ich finde diesen Vergleich problematisch.

00:17:04: Aris warnt vor den Achtzig Millionen Toten der Weltkriege.

00:17:08: diese Warnung gehört überall hin Vor allem aber gehört sie in das Herz der amerikanischen Debatte.

00:17:15: Also das ist ein starker rhetorischer Zug von ihnen, den Mauerfall gegen ihre eigene Entscheidung zu verwenden.

00:17:21: Aber ich halte es analytisch für einen echten Kategorienfehler.

00:17:23: Erklären Sie mir das!

00:17:25: Warum ist das ein Fehler?

00:17:26: Der Eiserne Vorhang wurde von einer Diktatur errichtet um die eigenen Bürger einzusperren und fremde Einflüsse gewaltsam draußenzuhalten.

00:17:34: Ein kultureller Boykott einer freien demokratischen Künstlerin ist exakt das Gegenteil davon.

00:17:41: Es ist ein freiwilliger Akt der Souveränität.

00:17:44: Es ist die aktive Verweigerung der Komplizizist, Vollborn sperrt niemanden ein.

00:17:49: Sie sagt ja auch nicht dass sie nie wieder den Dialog suchen wird oder die USA für immer abschreibt

00:17:55: Aber der Faktor zieht sie eine Mauer hoch.

00:18:15: eine sehr harte Bedingung.

00:18:16: In einer Zeit, in der fast alle politischen und diplomatischen roten Linien verschwimmen – in der das unerträgliche plötzlich normalisiert wird – ist es doch die Aufgabe der Kunst diese Linien wieder nachzuziehen!

00:18:30: Es ist ein kompromissloses Einstehen für demokratische Kontrollinstanzen.

00:18:35: wenn die Diplomatie versagt muss die Kunst Haltung zeigen anstatt nur Kulisse zu sein.

00:18:40: Und genau an dieser roten Line manifestiert sich unser Dessens heute.

00:18:45: Ich sage, wenn die politischen Institutionen wanken.

00:18:48: Wenn die diplomatischen roten Linien verschwimmen dann ist die Gesellschaft umso mehr auf die produktive Störung durch die Kunst angewiesen.

00:18:56: Vollborn selbst hat zu ihrem Projekt Sinn und Scherben gesagt dass ihre Kunst das sichtbar machen soll was Worte manchmal eben nicht fassen können.

00:19:06: eine Gesellschaft wie sie es ja selbst beschreiben in einen neo-imperialen Taumelgerät braucht diese Sichtbarmachung vor

00:19:13: Ort.

00:19:13: Das Risiko ist aber die Vereinnamung.

00:19:17: Der Boykott mag der Künstlerin eine saubere moralische Weste garantieren, er schützt ihre persönliche Integrität – absolut!

00:19:24: Aber er überlässt den öffentlichen Raum und den Diskurs, den Populisten und den Kriegstreibern.

00:19:29: Er isst so hart das Klingmark eine verpasste Chance für den wahrhaft subversiven grenzüberschreitenden Dialog.

00:19:35: Ich glaube, hier treffen wirklich zwei grundverschiedene Philosophien darüber aufeinander wie gesellschaftliche Veränderung stattfindet.

00:19:44: Sie glauben an die langsame Infiltration durch Präsenz – ich glaube in diesem extremen Fall an die Schockwirkungen der Absenz.

00:19:51: Das

00:19:51: ist Treffen zusammengefasst ja!

00:19:53: Aber dennoch und da finden wir vielleicht am Ende zusammen zeigt allein die enorme Debatte, die Vollborns Weigerung ausgelöst hat.

00:20:01: Welch ungeheure Wucht Ahres besitzt!

00:20:04: Wir sprechen hier über eine thirty- vierzehntimeter kleine Figur, die es schafft, eine globale Diskussion über Imperialismus und Demokratie zu befeuern – lange bevor sie in der Toskana überhaupt enthüllt

00:20:15: wird.".

00:20:18: Über die Kraft des Werkes gibt es überhaupt keine zwei Meinungen.

00:20:22: Ares fungiert in dieser Zeit der globalen geopolitischen Militarisierung gleichermaßen als Prophezeiung wie als Mahnmal.

00:20:30: Absolut!

00:20:31: Die

00:20:31: Zersplitterung der menschlichen Kondition, die Vollborn in diesem Projekt so meisterhaft aus Bronze formt ist heute relevanter denn je.

00:20:39: Wir mögen zutiefst uneins darüber sein auf welchem Kontinent und mit welcher Taktik der Kriegs-Gott am wirkungsvollsten entlarvt wird Aber wir sind uns vollkommen einig, dass man diese Entwicklungen nicht ignorieren darf.

00:20:52: Kunst kann den Frieden nicht herbeizaubern – aber sie zwingt uns hinzusehen!

00:20:56: Sie zwinget uns in den Abgrund unserer eigenen Gier- und Gewaltbereitschaft zu blicken.

00:21:02: Und damit schließt sich der Kreis unserer heutigen Analyse.

00:21:05: Wir haben die Landkarte dieses Konflikts für Sie vermessen, aber wir entlassen Sie nun mit der Verantwortung, diese Gedanken selbst

00:21:12: weiterzuführen.".

00:21:13: Genau Besuchen Sie gedanklich oder vielleicht sogar physisch im August die Bienale in Shanshanu.

00:21:19: Betrachten Sie diesen komprimierten Kriegsgott aus schwerer Branche, spüren sie die Präsenz dieser

00:21:25: Warnung.".

00:21:25: Und wenn Sie das nächste Mal in einer großen Galerie in New York oder Washington stehen, denken Sie an unseren städtischen Platz vom Anfang unserer Diskussion!

00:21:35: Betrachten sie die Räume, in denen Kunst stehen sollte, die aber aus Protest leer geblieben sind.

00:21:40: Und fragen Sie sich selbst?

00:21:42: Spricht in Zeiten, in dem die Macht unkontrolliert nach außen drängt – der leere Sockel vielleicht doch lauter als die Kunst selbst!

00:21:49: Wir danken Ihnen fürs Zuhören.

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